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Ersetzt künstliche Intelligenz die Synchronsprecher?

4. Januar 2026 von Philip

Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das in der Synchronbranche aktuell heiß diskutiert wird.
Auch Einsteiger:innen, die neu in den Beruf starten oder überlegen, sich ihrer Weiterbildung zu widmen, wägen immer mehr ab ob "es sich noch lohnt", den Weg zu gehen.

Auf Social Media werden Videos mit Millionen von Klicks hochgeladen, die suggerieren, dass Synchronsprecher:innen vor dem Aus stehen und selbst die Medien berichten darüber.

Aber ist die Angst wirklich gerechtfertigt? Oder nur übertriebene Panikmache?

• Künstliche Intelligenz ist nicht das Problem

Zuerst einmal ist es wichtig, das wir nicht die K.I. an sich verteufeln. Sie ist ein Tool, das in den richtigen Händen definitiv seine Daseinsberechtigung hat. Der technologische Fortschritt ist nicht aufzuhalten - daher sollten wir uns damit abfinden, dass solche Tools existieren und das sie genutzt werden.

Was viel wichtiger ist, als die Tools an sich, ist die Herangehensweise der Auftraggeber in sämtlichen Branchen. Aktuell versuchen viele der "Big Player" durch Schlupflöcher in ihren Verträgen an günstige Trainingsdaten für ihre Systeme zu gelangen. Das passiert nicht nur in der Synchronbranche sondern auch in vielen anderen Bereichen, in denen man das vielleicht gar nicht erwartet.

Ein Beispiel: Ihr unterschreibt eine Rechteabtretung für ein Synchronprojekt - dabei geht ihr davon aus, dass eure Aufnahmen auch nur für die Verwertung dieses Projekts genutzt werden. Doch der Kunde baut ein Schlupfloch ein, dass es ihm ermöglicht mit euren Daten seine künstliche Intelligenz zu trainieren. Ohne dass ihr dem explizit zugestimmt habt. Das bedeutet ihr bekommt eure reguläre Gage für das Projekt, der Kunde nutzt die Daten aber anderweitig weiter um seinen Profit auf Dauer zu maximieren und weniger Sprecher:innen zu benötigen. Und das, ohne dass ihr das wollt oder dafür zusätzlich vergütet werden.

Das Ziel der Verbände und der Branche ist es, eine faire Regelung zur K.I. Datennutzung zu finden. Sodass wir Sprecher:innen uns selbst entscheiden können ob wir unsere Daten hergeben wollen und noch dazu, zu welchem Preis.

Generell sollte beim Thema K.I. das Wichtigste sein, die Datennutzung zu regulieren, Urheberrechtsverstöße zu ahnden und Persönlichkeitsrechte zu schützen. Speziell im Bereich generativer K.I.

• Werden Synchronsprecher ersetzt?

Viele schreiben auf Social Media in die Kommentare, dass Synchronsprecher komplett ersetzt werden sollen und der Beruf aussterben wird. Dem ist definitiv nicht so. Wir befinden uns in einer Zeit in der menschengemachte Kunst einen immer höheren Stellenwert bekommt. Vor allem weil wir momentan so viel "A.I. Slop" unter die Augen kriegen.

Es gab bisher kein Synchron-Projekt dass mittels K.I. synchronisiert wurde und nicht nach wenigen Tagen wieder offline genommen wurde. Wir leben einem extrem synchronaffinen Land, dass gute Synchronisationen schätzt und bestimmte Stimmen gewohnt ist. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der gesamte Berufszweig ausstirbt.

Viel wichtiger als irrationale Ängste: Wir müssen uns und auch Neulinge und Einsteiger vor dem Missbrauch von Daten schützen. Über Verträge und Klauseln aufklären und den Nachwuchs so fördern, dass wir nachhaltig eine professionelle und hochwertige Synchron-Kultur aufrechterhalten können.

• Beeinträchtigt K.I. die Auftragslage?

Einige Kolleginnen und Kollegen beklagen sich in den letzten zwei Jahren über eine schlechtere Auftragslage. Dem würde ich zustimmen. Das liegt allerdings nicht an künstlicher Intelligenz, sondern ganz einfach am Markt.

Wir sind in unserer Branche vom ausländischen Markt abhängig. Wird dort weniger produziert, haben wir automatisch weniger zu tun.

Zwischen 2020 und 2023 hatte die Branche einen absoluten Überfluss an Produktionen. Es gab zu wenig Profis um alle Projekte zu betreuen und viele, viele Neueinsteiger aus allen Gewerken strömten in die Branche. Nun "normalisiert" sich diese Lage wieder und wir haben zu viele Leute für zu wenig Projekte. Das ist völlig normal! Die Auftragslage in der Selbstständigkeit ist ein ständiges Auf und Ab. Nicht nur im Synchron. Sondern in jeder Branche.

• Keine Panik

Das Fazit dieses Beitrags: Verfallt nicht in Panik.
Helft der Branche dabei, die genannten Thematiken anzugehen. Positioniert euch online und auch offline gegen K.I. im Synchron und zeigt den "Big Playern", dass ihr menschengemachte Kunst bevorzugt. Es ist immer der Konsument, der am Ende die größte Macht hat.

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